CD-REVIEWS




Finally Back / The Very Best Of 20 Years Review // Burn Your Ears Webzine

Bewertung: 7/10

Als sich 1977 fünf Schüler aus München zusammen taten, ahnten sie noch nicht im Geringsten, was sie da los getreten hatten. Mit der festen Absicht, den Rockolymp zu stürmen, versuchten die zuerst, die Songs ihrer Idole nachzuspielen. Der Name RAILWAY kam fast von selbst, da sich der Proberaum der Rockzwerge im Keller eines Bahnhofes befand. Nachdem sie einen Bandwettbewerb mit einem nie erwarteten zweiten Platz absolvierten, und zum ersten mal als Support der britischen Kapelle THE SPECIALS vor einem zahlenden Publikum auftraten, waren sie endgültig auf der Überholspur. Es folgte die erste EP „Just Imagination“ 1981, und die Alben „Railway“ und „Railway II“ in den Jahren 1983 und 1985, und Touren mit MOTÖRHEAD, MANOWAR, BONFIRE, THE SWEET, CANNED HEAT, DORO und das legendäre Konzert im Circus Krone im Vorprogramm von TWISTED SISTER, bei dem sie den Headliner in Grund und Boden spielten. In den Jahren 1987 bis 1995 folgten fünf weitere Alben, sowie der herbe Rückschlag, Gitarrist Herman Janowitz 1988 zu verlieren, der den Kampf gegen den Krebs nicht gewinnen konnte. Mit dem 1995er Album „Persecution Mania“ verabschiedeten sich RAILWAY fürs erste, und wollten eine kurze Verschnaufpause einlegen, die letztendlich bis zum 20 November 2006 dauern sollte, ehe es im Münchner Metropolis ein vielumjubeltes Reunion Konzert geben sollte, mit dem gleichzeitig das 20jährige Bühnenjubiläum der Band gefeiert wurde. Da die Reaktionen nach diesem Auftritt alle Erwartungen übertraf, hat sich die Band entschlossen, alle 19 Songs in der selben Reihenfolge, wie sie an diesem Abend gespielt wurden, als Studioversionen auf einen Silberling zu packen. Auch wenn es keine neuen Songs zu hören gibt, und die Soundqualität zwar ok, aber nicht überragend ist, versprüht diese Scheibe unglaublich viel Charme, wird aber aller Voraussicht nach eher die älteren Semester unter den Fans ansprechen, die zu der Zeit, als die Band angesagt war, schon auf diese Art Musik standen. Wahrscheinlich hat mir die Scheibe deshalb auch ziemlich gut gefallen, weil ich eben schon so ein alter Sack bin. Trotzdem kann ich mir auch gut vorstellen, dass Tracks wie „High Wire“, „Lick It, Stick It“, „Stronger Than Rock“ oder auch „Heavy Metal Fever“ auch bei jüngeren Fans ankommen, denn was RAILWAY hier bieten ist einfach Hard Rock pur, ohne Schnörkel und technischen Firlefanz. Das die Band stilistisch in manchen Songs schon eher in den Heavy Metal Bereich abwandert, wie zum Beispiel bei dem genialen „Heavy & Loud“ liegt an der großen Zeitspanne, in der die Songs entstanden sind, denn die Musikstile haben sich im Laufe der Zeit ja auch geändert. Und RAILWAY haben sich da einfach angepasst. Fazit: Hard Rock und Heavy Metal kann eigentlich total einfach sein, wie RAILWAY auf „Finally Back“ mit ihrer Zeitreise eindrucksvoll unter Beweis stellen. Wer braucht schon tausend Effekte, Loops und Soundsamples. Ein Distortion oder ein Overdrive vielleicht, dazu alle Regler aufgerissen, und los geht’s. Ich bin mal gespannt, ob RAILWAY sich jetzt auch an neue Songs heranwagen.

Autor: Dirk
(07.04.2008)




Finally Back / The Very Best Of 20 Years Review // Metal.de Webzine

Endlich sind sie wieder da!!!!! Was habe ich darauf gewartet, jede Nacht habe ich gebetet, ehrfürchtig am Bette sitzend, immer und immer wieder habe ich den Herrgott darum gebeten. Ich schrieb Briefe an die Band, an Radiostationen, TV Sender und Magazine. Und Beharrlichekit zahlt sich schließlich aus, denn RAILWAY sind wieder da! Freut ihr euch auch so? Nein? Wieso denn nicht?

Vermutlich, weil ihr von den Herren noch nie etwas vernommen habt. Denn bei aller Liebe, so groß, wie die Band in der Bio gemacht und wie bedeutend deren Reunion angepriesen wird, ich habe noch in meinem Leben etwas von RAILWAY gehört. Und wenn nun einige sagen werden, gut, der olle Knauer ist ja auch gerade einmal 24 Jahre alt, so stelle ich dennoch die kühne These auf, dass ich die Band kennen würde, wäre sie so groß gewesen, wie es im Beipackzettel behauptet wird!

“Finally Back“ ist also das Comebackalbum der Männer, auch wenn es streng genommen kein wirkliches neues Album sondern eine Best Of ist. Daraufhin befinden sich 19 Songs, die irgendwo in der Mitte von 80er Hard Rock und Heavy Metal liegen. EUROPE vs ACCEPT, vielleicht ganz grob! Schlecht isses eigentlich nicht, muss ich sagen. Wenn ich mich so auf nen Zelthocker hänge, dabei die Plauze unter dem Shirt hervorluken lasse, während die eine Hand unter lautem Gebrüll eine Bierdose zerdrückt und die andere Hand, zur Faust geballt gen Himmel gestreckt wird, dann könnten die Stücke schon ihre Wirkung entfalten. Wirklich viel Pathos also, den RAILWAY durch ihre Songs verbreiten, aber so war das damals nun einmal, hehe, und irgendwie mag ich diese leicht prollige Musik. Die Songs sind gut komponiert, der Sound ist druckvoll und die meist mehrstimmigen Refrains bleiben im Ohr hängen.

Gewiss, man muss einerseits ein Faible für diese Art von Musik haben und andererseits auch in der Stimmung dafür sein, sonst zündet “Finally Back“ einfach nicht und auch ich hätte das Album dann wohl verrissen. Im Moment habe ich aber gerade Bock auf sowas, daher sollten Altrocker und jugendliche Bierliebhaber hier mal ein Ohr riskieren. Punkte gibt es dennoch nicht, da Best Of.

Punkte: keine Wertung (Philip / 17.04.2008)






Finally Back / The Very Best Of 20 Years Review // heavyhardes.de Webzine

Bewertung: 5/6


Mit Railway verbinde ich exaktamente eine Erinnerung. Und zwar an eine denkwürdige Sendung aus der Reihe Live aus dem Alabama (die Älteren wissen was ich meine). Da saßen jeden Montag abend allerhand junge Leute beisammen, diskutierten über wichtige Themen, und danach gabs noch ein schmackiges Konzert, das man am Fernsehschirm zumindest noch kurz verfolgen konnte. Moderiert wurde das Ganze von Amelie Fried und Werner Schmidbauer, gesprochen wurde über Gewichtiges wie Tschernobyl, Aids und andere fröhliche Angelegenheiten.

Und einmal, da war das Thema - Heavy Metal! Sich dieser Sache diskutierend zu nähern war schon damals amüsant, insbesondere da einige wahrhafte Koryphäen anwesend waren ("woasd scho, a dreckige Gitarren, an dreckigen Bass, woasd scho" - so beschrieb ein Diskutant, warum der Metal so spannend sei). Musikalisch war einiges geboten, das Hauptkonzert lieferten Warlock, die damals grade Hellbound herausgebracht hatten, der Support war Grave Digger, aber auch zur Auflockerung der Gesprächsrunden gabs vorher schon Musikeinlagen. Eine kam von einer Kombo namens Cacumen, die "Longing For You" schmetterten - später nannten diese Herren sich dann Bonfire. Aber noch vorher, da sagte eben Herr Schmidbauer die "Münchner Lokalmatadoren" an, und ins Bild sprangen fünf muntere Gesellen namens Railway. Den Song hatte ich seinerzeit nicht mehr lange im Gedächtnis, aber den Titel, der hat mich nie verlassen: "Lick It, Stick It". Auf so was muss man erst mal kommen, und so musste ein Song seinerzeit heißen.

Ja, und genau so steigen sie auf ihrer Comeback-Scheibe ein: eben mit diesem Titel. Die 19 Stücke, die auf Finally Back versammelt sind, entsprechen genau der Setlist, mit der sich Railway nach fast 20 Jahren auf der Bühne, genauer gesagt im Münchner Metropolis, 2006 zurückmeldeten. Geboten ist ein bunter Reigen, der alle Studioalben von 1984 bis 1996 umspannt, und dabei alle Hits der Karriere der Eisenbahnfahrer liefert. Und die war keinesfalls von schlechten Eltern: 1984 legten sie ihr Debut vor, 1985 legten sie Railway II nach und tourten mit Szeneflaggschiffen wie Motörhead, Manowar, Sweet, Bonfire und Doro. 1985 sah außerdem einen denkwürdigen Gig als Support von Twisted Sister im Circus Krone, und 1985 und 1986 gab man den Headliner beim Kist Festival in Budapest. Nachdem Gründungsmitglied Herman Janowitz 1988 verstorben war, folgten in den metalfeindlichen 90ern drei weitere Alben, bevor 1995 Schicht war.

Nachdem der Metal ja glücklicherweise wieder so sein darf wie er mal war, macht die Zeitreise mit Railway auch gehörigen Spaß: den geneigten Hörer erwartet klassischster Teutonen-Metal irgendwo zwischen Accept, Judas Priest, Warlock und anderen - so wie man das damals kannte. Angefangen von "Lick It, Stick It" über "D.O.A.", "Take It Away" und "Heavy Metal Fever": so klang das, als die Metal-Welt noch in Ordnung war und keiner was von Grunge, Emo und sonstigen Untaten wusste. Es regieren schneidige Riffs, eingängige Refrains und gschmackige Solo-Einlagen. Shouter Walter Wicha gibt abwechselnd das Dirkschneider-Reibeisen, den Halford-Schreikönig und den cleanen Balladen-Mann. Textlich geht's um Pahdy in da house, aber natürlich darf auch ein Antikriegslied nicht fehlen ("Rockets"). Als Gesamtpaket ist zu vermelden, dass die Songs ab der zweiten Hälfte etwas an kompositorischem Einfallsreichtum verlieren, aber am reinen Unterhaltungsfaktor fehlt sich gar nichts. Und außerdem, um den Kreis zum Anfang zu schließen: der Song aus Live aus dem Alabama hat nicht nur den besten Titel, sondern auch die freudigste musikalische Inszenierung. Also, was soll man sagen - finally back: gut so!

Holgi






Finally Back / The Very Best Of 20 Years Review // metal-inside.de Webzine

Bewertung: TIP!


Eisenbahn muss leise fahren? Von wegen! Jeder hat seine Leiche im Keller – hier ist es RAILWAY. Die Band kommt aus München, sah 1984 aus wie ein miese Ratt-Kopie, hatte einen Sänger mit Mickey-Mouse-Stimme, nutzte Keyboards und teutonische Mittelschul-Texte – heimischer Haarspray-Metal eben. Eben alles nicht unbedingt das, was unter „Gütezeichen, Klasse A“ durchgeht. Und dennoch war die Band schon damals cool, und das lag an den unglaublich vielen Hits, die die Band raushaute. „Lick It, Stick It“ (sic!), „D.O.A.“ „Fight With The Killer“, die Ballade „I’m A Loser“ oder Stronger Than Rock“ triefen zwar vor Klischee, sind aber echte Ohrwürmer. Und heute, viele, viele Jahre danach, kehrt mit Einlegen dieser CD augenblicklich ein seliges Lächeln zurück, erst ein wenig peinlich-versteckt, später recht laut mitsingend und – swingend. RAILWAY sind anachronistisch wie das Mitschneiden von Radiosendungen mit dem Ghetto-Blaster auf Cassette – aber diese Best-Of, die an Bands wie Kiss, Accept und Ami-Metal gleichzeitig erinnert, macht soviel Spaß, wie schon lange keine andere Scheibe mehr. Also, vielleicht nicht allen, aber egal…

memme